Wir leben in einer Zeit der Krisen. Es ist auch eine Zeit des Krisen-Geredes. Deswegen ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, was Krisen sind. Es sind keine Zustände, sondern dynamische Prozesse. Solche Prozesse werden meistens von Zuständen ausgelöst, die langsam oder plötzlich instabil geworden sind.

Kriege sind solche Prozesse. Es sind Krisen, solange sie nicht beendet sind, und wenn sie beendet sind, sind es keine Krisen mehr, lösen aber mit großer Sicherheit andere Krisen aus. Krisen sind Prozesse, die aus Asymmetrien entstehen. Etwas ist aus dem Lot geraten, die Gesundheitspolitik durch Corona, die Kaufkraft des Euro durch die neue Inflation, der Arbeitsmarkt durch sinkende Nachfrage oder Lieferschwierigkeiten, die Innenpolitik durch Fluchtbewegungen und Migration.

Was am Ende solcher Krisen steht, ist schwer oder gar nicht vorauszusehen. Das ist so mit allem Zukünftigen. Da es aber in der Politik, in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Kultur und in allen anderen Lebensbereichen darum geht, Krisen zu meistern und zu beenden, werden Rezepte angepriesen und Prognosen gewagt. Manches davon basiert auf soliden Analysen, manches nicht. Wenn Krisen-Rezepte und Prognosen über die Bewältigung von Krisen tagespolitischen Zwecken oder der eigenen Bekanntheit dienen, handelt es sich um Krisen-Gerede. Für viele Menschen ist es schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das Korbinians-Kolleg untersucht im Winter-Semester 2022/23 einige, bei weitem nicht alle, derzeitigen Krisen. Es sind nicht nur politische, soziale und wirtschaftliche, nicht nur kollektive, sondern auch persönliche Krisen, die uns als einzelne Menschen heimsuchen können, die wir selbst durch unser Verhalten auslösen oder die über uns hereinbrechen, ohne dass wir schuld daran sind.

Keine der kollektiven Krisen lässt uns individuell in Ruhe. Das ist ein Motiv, aber nicht das einzige für das Thema ‚Krise‘ in diesem Wintersemester.

Korbinians Kolleg

Wir leben in einer Zeit der Krisen.

Termine 2022/23

  • 21. Oktober 2022

    Die Macht der Beobachtung.

    Finanzkrise, Migrationskrise, Pandemiekrise, Friedenskrise, Wirtschaftskrise, Klimakrise – scheinbar kommen wir nicht mehr zur Ruhe. Doch was ist überhaupt eine Krise? Wenn wir historisch denken, haben die Menschen schon sehr unterschiedliche Formen von Krisenbewusstsein gezeigt. 

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  • 18. November 2022

    Enthemmte Zeiten.

    Als Neurologin und Psychotherapeutin sieht Frau Dr. Melzer tagtäglich in ihrer Praxis die Auswirkungen einer zunehmenden globalen, gesellschaftlichen und individuellen Triebenthemmung. Sie zeigen sich in Form von zwanghaften und süchtigen Verhaltensweisen, Verrohung, Angst und eine zunehmende Halt- und Maßlosigkeit, vor allen in den Bereichen Sexualität, Ernährung, Konsum und Unterhaltung. 

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  • 2. Dezember 2022

    Multiple Krisen.

    Die gegenwärtige Zeit ist nicht nur durch vielfältige Krisen geprägt. Vielmehr gehen diese Krisen ineinander über und vermengen sich zu einer allgemeinen Krisenlage - von Finanz- und Migrations- bis zur Demokratie-, Pandemie-, Energie- und Kriegskrise. 

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  • 10. Februar 2023

    Gewinnen in der Niederlage

    Eines der wesentlichen Wesensmerkmale von Demokratie ist, dass man auswählen kann, dass man gewinnen und dass man verlieren kann. Ich will es jetzt nicht übertreiben, Sie wollen alle nach Hause, aber aus Niederlagen habe ich eigentlich immer mehr gelernt, als aus Siegen. 

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AKADEMISCHER KURATOR
PROF. DR. WILHELM VOSSENKUHL

Über Freundschaft

Sicher hätten wir das Korbinians-Kolleg nicht auf den Weg bringen können, wenn wir nicht Freunde geworden wären. Was ‚Freundschaft‘ bedeutet, ist durch die sozialen Medien zwielichtig und billig geworden. Freunde im Internet sind Bekannte ohne Verpflichtungen. Jeder und jede kann mit jeder und jedem rund um den Globus eine Art ‚Freund‘ werden. Das geht schnell, wie alles, was oberflächlich ist und zu nichts verpflichtet. Mit Freundschaft hat das nichts zu tun.

Ablauf

Ab 17.30 Uhr | Einlass und Get-together

18.30–18.40 Uhr | Begrüßung durch Korbinian Kohler

18.40–19.00 Uhr | Einführung durch Prof. Dr. Wilhelm Vossenkuhl

19.00 – 19.45 Uhr | Impulsvortrag Gastredner

19.45–20.15 Uhr | Diskussion

20.30 – 24.00 Uhr | Exklusives Galadinner

Bis 19.45 Uhr können Hotelgäste und externe Gäste kostenlos an dem Vortrag teilnehmen, bei Anmeldung 24h vorab auf Anfrage und nach Verfügbarkeit.

 

Buchen Sie Ihre Teilnahme hier auf:

WWW.EVENTBRITE.COM

Akkreditierung Dinner

Für die Anschluss-Diskussion und das exklusive Dinner in kleinem Rahmen, anwesend sein werden die Redner, Professor Vossenkuhl und Korbinian Kohler, können Sie sich für:

190 Euro pro Person

bei uns akkreditieren:

event(at)bachmair-weissach.com.

Maximale Teilnehmerzahl: 20 Gäste

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