INFUSION FÜR DIE SEELE
INFUSION FÜR DIE SEELE
„Forever young“ – Infusionen sind der Trend in Medical Spas. Die Verlangsamung von Alterungsprozessen und die Steigerung von körperlicher Leistungsfähigkeit stehen im Fokus.
Gelegentlich war davon in der Vergangenheit schon zu hören. Aber eher im Zusammenhang mit Rockstars vom Schlage eines Keith Richards von den unverwüstlichen Rolling Stones: Infusionen, gelegt, nicht etwa weil es akut um Leben und Tod ging, sondern schlichtweg um schnell und grundsätzlich den Allgemeinzustand eines Behandelten zu verbessern. Etwa weil er oder sie nach Stunden „on stage“ nächtelang weitergefeiert hatte, und darüber hinaus dem Körper auch sonst allerlei zumutete – in Form von wenig seriösen Substanzen.
Seit einiger Zeit allerdings sind Infusionen der Trend in Medical Spas. Besonders renommierte Diätkliniken und andere von Ärzten flankierte Wellness-Kur-Orte dürften dabei die Trendsetter gewesen sein. Sie setzen zunehmend Infusionen ein, um längst nicht nur Prominente, Spitzenmanager*innen und Politiker auf diesem Wege gesundheitlich zu unterstützen.
Der Trend hat breitere Bevölkerungsschichten erreicht. Und so schwindet bei manchem, dem gerade noch schwummrig wurde, wenn er nur an eine Nadel dachte, auch diese Urangst. Der anglophone Raum weiß ohnehin Rat in solch misslichen Lagen: Er schöpfte wieder einmal kurzerhand einen neuen Begriff für die Causa, und so klingt die Angelegenheit so süß wie ein Schuss Sahne im Kaffee: Drip Spa ist dieses Zauberwort. Ängste lässt es gar nicht erst aufkommen, andere Bedenken lässt es dahin- schmelzen.
Was diese Tröpfchen-Infusionen besser als oral verabreichte Medikamente bewirken sollen, leuchtet ohnehin ein. Weil sie direkt in die Blutbahn verabreicht werden, landen die Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme und Elektrolye über die Kochsalzlösung unmittelbar dort, wo sie hin sollen. Sie nehmen, anders als bei der oralen Gabe, nicht den von Unwägbarkeiten begleiteten Weg durch den Verdauungstrakt.
Umso wichtiger ist freilich, dass die Behandler wissen, was sie tun. Infusionen legen, dürfen auch in Spas nur medizinisch ausgebildete Fachleute wie Ärzte, entsprechend geprüfte Heilpraktiker, Krankenschwestern und Pfleger. Der Sinn der Infusionen liegt darin, sämtliche Zelldepots wieder aufzufüllen. Sie sollen als ganzheitlicher Energie-Kick auf Körper und Geist wirken. Und die maßgeschneidert für den jeweilig zu Behandelnden. Entsprechende Diagnose-Verfahren sind also die Voraussetzung dafür, das subjektive Empfinden und die persönlichen Ziele des Medical-Spa-Besuchers sind immer mitentscheidend.
Im Angebot sind verschiedenste Infusions-Cocktails. Manche Mischungen zielen stärker auf das Entgiften und Reinigen des Körpers, andere aktivieren die Fettverbrennung und sollen den Stoffwechsel optimieren, mehr Energie im Innersten bringen oder das Hautbild oder sogar die Laune klären und erhellen. Doch damit nicht genug. Die Wissenschaft macht unentwegt Fortschritte, und diese schlagen sich auch in der Medical Wellness nieder. Zum Beispiel die Erkenntnisse über Abläufe im Zellinneren.
Dabei spielt das Co-Enzym NAD+ eine wichtige Rolle. Es stärkt die Mitochondrien, kann die Energieproduktion in den Zellen verbessern und somit dazu beitragen, Alterungsprozesse zu verlangsamen und körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Besagtes NAD+ kann isoliert oder in Kombination mit anderen Wellness-Infusionen verabreicht werden.
Schon während der NAD+ Behandlung ist je nach persönlicher Konstitution mehr oder weniger deutlich zu spüren, wie der Organismus angesprochen wird. Der Körper arbeitet damit, fühlt sich auf verschiedenste Weise durchströmt an. Wie genau? Da ist an dieser Stelle zum Selbstversuch geraten, denn so individuell wie die Bedürfnisse jedes Einzelnen, sind auch die mittelbaren und unmittelbaren Effekte einer solchen Behandlung.
Klar ist: Deren Wirkung geht weit über das Mildern typischer Hangover-Symptome hinaus – was man womöglich früher mit einer kleinen „Drip“- Infusion verbunden haben mag. Die mittelfristigen Effekte der modernen Drip Spas machen sie so interessant. Und ganz nebenher sind sie auch während man sprichwörtlich „an der Nadel hängt“ ein rundum positives Erlebnis, eingebettet in die wohlige, entspannte und heimelige Atmosphäre eines Spas, und eben nicht einer normalen Arztpraxis. Und eines ist gewiss: Danach fühlt sich jeder ein bisschen als Rockstar – und vielleicht sogar „Forever young“.
MARGARETHE SOROR