BAYERISCHE ZENSATION
BAYERISCHE ZENSATION
Das Mizu Onsen Spa zelebriert fernöstliche Wellnesspraktiken – einzig die Vulkane fehlen. Macht nix, dafür entschädigt die alpine Kulisse.
Der Klang breitet sich in Wellen im Körper aus, als hätte jemand einen Kieselstein in Wasser geworfen. Zieht immer größere Kreise, die sich ihren Weg über die Haut bis ins Innerste bahnen. Mit gleichmäßigen Bewegungen bringt Klangtherapeutin und Energetikerin Petra Tannheimer die tibetischen Klangschalen, die sie auf dem Rücken platziert hat, mittels Schlägeln zum Klingen. Ein warmer, lang gezogener Ton erfüllt den Raum, ein musikalisches Om.
„Unser Körper besteht zu etwa 70 Prozent aus Wasser, dieses leitet die Schwingungen in die Organe und in die Körperzellen weiter. Jede Schale hat ein eigenes Frequenzspektrum, das mit einer bestimmten Körperpartie räsoniert“, erklärt die Expertin. Das Ergebnis: innere Unruhe, Stress und überschüssige Energie werden aus dem Körper geleitet, an ihre Stelle tritt eine tiefe Entspannung. Das Nervensystem beruhigt sich und der Geist wird geerdet. Aber nicht nur. Die Schwingungen sollen selbst in der Lage sein, muskuläre Verspannungen zu lösen. Nicht umsonst ist im Hinduismus Nada Brahma eine beliebte Meditationsform. Frei übersetzt bedeutet sie: Die Welt ist Klang.
Die Klangschalenmassage „Nagomi“ ist eine der jüngsten Anwendungen im Mizu Onsen Spa. Als es 2017 eingeweiht wurde, war es das erste Spa Deutschlands, das von der japanischen Badekultur inspiriert war. Von den heißen Quellen, die überall im Land der aufgehenden Sonne aus dem Boden sprudeln, den sogenannten Onsen, angefacht vom Pazifischen Feuerring.
Inhaber Korbinian Kohler, dessen Familie die Büttenpapierfabrik Gmund gehört, ist oft nach Japan geflogen. Was er mitgebracht hat von seinen vielen Reisen: eine Liebe für die Kultur des Landes. Und so fehlen im Mizu Onsen Spa – der Name setzt sich aus den Begriffen für „kaltes Wasser“ und „heiße Quellen“ zusammen – zwar die Vulkane, die Rituale und die Architektur sind aber eine tiefe Verbeugung vor dem Vorbild aus Fernost.
Barbara Sturm und Team Dr Joseph kommen zum Einsatz. Die zertifizierte Naturpflege aus Südtirol erfreut sich zunehmender Beliebtheit. „Die Produkte sind rein natürlich und dank biotechnologischen Verfahren hochwirksam“, erzählt Therapeutin Madeleine, während sie das „Kibu Rejuvenating Facial“ vorbereitet. Die Inhaltsstoffe klingen so, als würden sie sich auch auf einer Speisekarte gut machen: nach der Reinigungsmilch mit Rosskastanie und Heidelbeere folgen ein Tonic und ein Fruchtsäurepeeling mit Apfelsäure, Weinsäure und Fruchtenzymen von der Papaya. „So werden abgestorbene Hautschüppchen entfernt und die Haut ist aufnahmebereiter für die kommenden Pflegestoffe“, erklärt Madeleine.
Mit einer stimulierenden Faszienmassage arbeitet sie ein Feuchtigkeit spendendes Serum ein. Die kräftigen Bewegungen regen den Zellstoffwechsel und die Durchblutung an. Würde das Gesicht nicht jetzt schon rosig strahlen, die Glow-Maske mit grünem Kaviar und Goldpartikeln täte ihr Übriges.
In einer Welt, die immer komplexer wird, der Alltag immer hektischer, gleicht der Besuch des Mizu Onsen Spa einem tiefen Luftholen, werden Körper und Geist wieder geerdet. Dass man sich zugleich für ein paar Stunden nach Asien beamen kann – umso besser!
TINA BREMER