NAH(K)ÖSTLICH
NAH(K)ÖSTLICH
Die Küche der Levante mit ihren geballten Aromen und reichen Traditionen liegt im Trend – zu ihren Geheimwaffen zählen Tahini, Sumach und Orangenblütenwasser
Laute Beats, coole Drinks, bunte Mezze und dazu der Duft vom Holzkohlegrill – gut gelaunt und multikulti, so tritt die Küche des Nahen Ostens seit einigen Jahren einen Siegeszug rund um die Welt an. Die lebensfrohen Konzepte treffen einen Nerv – aber was bedeutet das eigentlich genau, Levante-Küche? Rein geografisch gesehen erstreckt sich die Levante von Ägypten bis zur Türkei – und umfasst alles, was dazwischen liegt. Mit anderen Worten: die orientalische Küste des Mittelmeers. Die gesamte Region ist historisch von Migration geprägt und hat deshalb viele gemeinsame Gerichte, von Mezze wie Hummus und dem Auberginen-Dip Muttabal bis zu traditionellen Speisen wie Kebab oder dem ägyptischen Bohnensalat Foul Mdamas.
Am besten, man stellt sich die Levante nicht als geografische Region vor, sondern als eine riesige Küche, in der jedes Land seine eigene Interpretation der gemeinsamen Tradition zubereitet. Hummus oder Falafel etwa finden sich überall, mit subtilen Abwandlungen an den lokalen Geschmack angepasst. Und jeder Landstrich der Levante bringt etwas in den gemeinsamen großen Topf ein: Da ist etwa die jordanische Esskultur, die stark von den Traditionen der Beduinen mit deftigen Lammgerichten geprägt ist. Oder die bunte Mezze-Kultur des Libanon mit ihren vielen kleinen Tellern zum Teilen; Zubereitungen wie Tabbouleh oder die Bulgur-Hackfleisch-Bällchen Kibbeh verbinden die Frische des Mittelmeers mit den intensiven Aromen des Nahen Ostens. Und natürlich die syrische Küche: Sie steht für beliebte Süßspeisen wie Baklava, aber auch für besonders raffinierte Gewürzmischungen. Selbst die Zubereitung scheinbar einfacher Gerichte kann hier zur multisensorischen Erfahrung werden: Der Duft von Schawarma, einer Art syrischen Variante des türkischen Döner Kebab, erfüllt die Luft mit den Aromen von Kreuzkümmel, Koriander, Paprika, Zimt und Kardamom. Es ist „nur“ Streetfood, aber es spiegelt die wechselvolle Geschichte des Landes, jedes Gewürz erzählt eine Geschichte von Handel, Migration und Neubesiedlung.
Auch am Tegernsee sind die Vibes aus dem Nahen Osten angekommen. Man betritt das Clubhaus Bachmair Weissach und fühlt sich direkt ans östliche Mittelmeer gebeamt. Auch hier wird die Musik im Lauf des Abends aufgedreht, auch hier ist die Speisekarte gespickt mit Inspirationen aus Tel Aviv, Beirut und Damaskus. Am besten, man bestellt erst einmal eine Runde Mezze mit ofenwarmem Pita-Brot und studiert beim Genuss von Baba Ganoush, Hummus und Labneh die Karte. Alle Gewürzmischungen, Dips und Dressings sind vom jungen Team hausgemacht, ob syrische Aioli mit geschmortem Knoblauch, Ingwer und Cayenne-Pfeffer zur Jerusalem-Artischocke oder Dattel-BBQ-Sauce mit Rauchpaprika und Kreuzkümmel zum Ofensellerie mit Spitzkohl und Ziegenfrischkäse. Herzstück der Küche ist der trendige Josper-Grill, von dort kommen Maishuhnbrust und Rib Eye, Garnelen und Seesaibling. Und dazu von der Bar ein frischer Drink mit Tequila, Pink Grapefruit, Meersalz und Chili – Levante-Feeling pur.
NELLY BARANCO