Mizu Bar Interior mit Bartheke und Barbestuhlung

Servus, Manahata! Unsere Neuinterpretation eines geliebten Cocktail-Klassikers basiert auf Coolness, Japan-Flair und dem gewissen Etwas

Eine gute Bar ist wie eine Kirche, in der die Gläubigen beim Beten sündigen. In ihr fällt es leicht, den Alltag zu vergessen, wenn jedes Detail stimmt: die Einrichtung, die Getränkekarte, die Art, mit der Gäste begrüßt werden, und die Lautstärke der Musik. Im besten Fall entsteht eine metaphysische Qualität, die schwer zu erfassen und noch schwerer zu erschaffen ist. Eine Bar hat sie oder hat sie nicht.

Das Gleiche trifft auf einen guten Cocktail zu. Obwohl er nur eine Fusion von Flüssigkeiten und Aromen darstellt, öffnet er die Tür zu neuen Welten des Geschmacks, oft auf klassischer Basis. Zu ihnen gehört der Manhattan, der einen Meilenstein in der Cocktail-Geschichte repräsentiert. In ihm wurde erstmals süßer Wermut eingesetzt, um das Rezept zu modifizieren.

Der Name verrät, wo der vor allem von Whiskey-Trinkern geliebte Drink erfunden wurde: in den 1870er-Jahren oder zu Beginn der 1880er im gleichnamigen New Yorker Stadtteil. Historiker sind sich nicht sicher, ob er im damals angesagten Herrentreff Manhattan Club oder in einer Bar nahe der Houston Street namens Manhattan Inn erstmals serviert wurde. Über die Zusammensetzung besteht mehr Gewissheit. Eine Erwähnung in einer Kolumne namens Gotham Gossipbeschreibt ihn 1882 so: „Es ist noch nicht lange her, dass eine Mischung aus Whiskey, Wermut und Magenbitter in Mode gekommen ist.“ Seit damals liefert die geniale Paarung von Rauchig, Bitter und Süß die ideale Basis für unendlich viele Variationen, die auf jeder seriösen Barkarte der Welt zu finden sind.

Die Urversion wird mit Rye Whiskey gemixt. Er ergibt einen vollmundigen Manhattan mit kräftig-würzigem Kick, den man als Frank Sinatra im Glas beschreiben könnte. Bourbon verleiht ihm eine etwas süßere, karamellartige Note. Egal für welche Art von Whiskey man sich entscheidet – in jedem Fall ist der Manhattan ein sicherer Sieger, findet Patrick Metzger, der Chef der Mizu Bar im Spa & Resort Bachmair Weissach. „Man kann ihn plain trinken, doch auch fancy, sweet, dry oder extra dry. Es gibt klassische und moderne Abwandlungen. Eigentlich kann man einen Manhattan immer trinken, da man ihn je nach Stimmung, Gelegenheit und Zeitpunkt perfekt variieren kann.“ Als Hommage an seinen Standort hat er sich für eine dritte Möglichkeit entschieden und ein Rezept mit ost-westlicher Ausrichtung entwickelt. 

Inspiriert vom Japan-Motto der Bar ersetzt der preisgekrönte Mixologe den Rye durch einen filigranen Blended Japanese Whisky, der aus Malt- und Grain-Whiskey verschnitten ist. Ihn kombiniert er mit einem Schnaps namens Mugi Shochu, der Gerstentöne beiträgt, und einem Kirschblüten-Wermut mit mandelartigem Geschmack. Das Resultat beschreibt er als „Drink, der durchaus in einer Bar in Ginza gereicht werden könnte“. Der Name des subtil-eleganten Toki Whiskey, den er für seinen Manhattan benutzt, bedeutet auf Deutsch „Zeit“. Das empfindet Patrick Metzger als gutes Omen. „Wir erleben gerade ein neues Goldenes Zeitalter der Barkultur. Es ist deshalb so aufregend, weil bei einem heutigen Drink-Design sämtliche Techniken aus Bar und Küche kombiniert werden.“

KATHARINA HESEDENZ