GLÜCKSFALL CLUBHAUS-APARTMENTS
GLÜCKSFALL CLUBHAUS-APARTMENTS
Am Ufer des Tegernsees erlebt die Autorin Katharina Hesedenz bewusstseinserweiternden Luxus, philosophische Perfektion und großes Blau
Das Apartment liegt direkt am Wasser, mit Blick nach zwei Seiten, durch geöffnete Fenster wehen frische Luft und Hochgefühl herein. Draußen ziehen weiße Boote über den See, drinnen greifen englische Tapeten das Schiffmotiv auf. In meinem Hästens-Bett liege ich wie auf Wolken, und genieße das Lebensgefühl Haus am See. Der gleichnamige Song von Peter Fox war immer meine Hymne, endlich erfüllt sich der Traum im Clubhaus Bachmair Weissach. Die Einrichtung ist luxuriös, doch schlicht – und was man braucht, manifestiert sich umgehend, denn Wünsche wahr werden zu lassen, gehört zum Konzept.
So wie die Hedonisten der Antike, versteht das insgesamt drei Suiten und ein Penthouse umfassende Feriendomizil den Glücksgrundsatz als Basis allen Denkens und Tuns. Ein wichtiger Bestandteil dessen, ist Ataraxie, die Seelenruhe. Der deutsche Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg schrieb im 18. Jahrhundert: Ich weiß aus unleugbarer Erfahrung, dass Träume zu Selbsterkenntnis führen – und auch heute finden Wissenschaftler, dass wer nach Lust, Genuss und Glück strebt, durchaus philosophisch handelt. Das Glück in der Natur erforschte etwa eine Studie aus dem Jahr 2013, die 20.000 Smartphone-Nutzer aus 18 Ländern aufforderte, in zufälligen Abständen ihr Wohlbefinden und ihre unmittelbare Umgebung aufzuzeichnen. Ich stelle das Experiment unter den aktuellen Bedingungen nach, und begebe mich auf die Terrasse des Clubhauses. Der Selbstversuch ergibt, dass ich dem dortigen Brunch bei gutem Wetter zehn von zehn Punkten geben würde; die an späten Cappuccinos oder frühen Rosés nippenden Gäste um mich herum, vermutlich auch. Ihre Stimmen klingen zufrieden, sie blicken verträumt in die Ferne. Wir scheinen uns kollektiv dem Zustand zu nähern, den die Studie als Blue Mind bezeichnet. Jeder Mensch, der schon einmal an einem See oder am Meer mit geschlossen Augen den Wellen zuhörte, kennt ihn.
Der Begriff Blue Mind steht für die Tatsache, dass Stress in Wassernähe von uns abfällt, dass unser Atem entspannter fließt und die Gedanken freier schweifen; in meinem Fall zur nächsten Mahlzeit. Auf der Clubhaus-Speisekarte stehen libanesische Mezze oder über offenem Feuer gegrillte Auberginen, mit Gewürzen verfeinert, deren Namen schon beim Lesen auf der Zunge zergehen: Harissa, Tahini, Za’atar, Baharat, Pul Biber Tali, Dukka, Granatapfel, Ras-el-Hanout... Während mein Blick über das Wasser bis Rottach-Egern oder Bad Wiessee gleitet, wähnt sich der Gaumen in Tel Aviv oder Marrakesch. Weltoffenheit und Heimatliebe erlebt man auch dort, die schönere Landschaft hier. Die Menschen halten sich gerne in der Nähe von Wasser auf, weil es von Natur aus beruhigend wirkt, sagt Sanam Hafeez, Neuropsychologin in New York City und Fakultätsmitglied an der Columbia University. Wasserkörper haben etwas Traumhaftes an sich, ähnlich wie Wolken, und erlauben uns, uns grenzenlose Möglichkeiten vorzustellen. Allein der Anblick lässt unseren Geist ruhig und friedlich werden. Körperliche Vorzüge bringt er offensichtlich auch. Das Leben in der Nähe von Wasser, sei es der Ozean oder ein kleiner See im Garten, bedeutet mehr als nur den Aufenthalt in einer angenehmen Umgebung. Studien zeigen, dass es eine ganze Reihe gesundheitlicher Vorteile gibt, erklärt Vinay Saranga, Psychiater und Gründer von Saranga Comprehensive Psychiatry in North Carolina. Es kann den Blutdruck senken, Stress abbauen, für Entspannung sorgen, die Kreativität verbessern und ein allgemeines Hochgefühl hervorrufen. Erwiesenermaßen hat selbst der Anblick eines leeren, mit Wasser gefüllten Aquariums eine positive psychologische Wirkung. Bei mir funktioniert sogar ein großes Glas Champagner.
Waldbaden belegt laut Glücksstudie den zweiten Platz, Grün ist fast – aber nur fast – so stark wie Blau. Die perfekte Kombination von beidem bietet der unweit des Clubhauses beginnende Alte Sommerweg, dessen Serpentinen sich an bewaldetem Hang vom Tegernseer Bahnhof bis hoch zur Neureuth Alm schlängeln. Das bekannte Berggasthaus lockt 1264 Meter über dem Meeresspiegel mit einer großen Sonnenterrasse, 180-Grad-Seeblick, bayerischer Küche und einer reich bestückten Kuchentheke. Den Rückweg erledigt die Schwerkraft. Im Gegensatz zu vielen anderen oberbayerischen Seen ist der Tegernsee an fast allen Stellen frei zugänglich. Im gleichnamigen Ort führt die Uferroute mal über Land, mal über Stege, vorbei an Cafés, Biergärten, Eisdielen, Boutiquen und einem erstaunlichen Saunaboot samt Lounge Area. Während ich überlege, ob ich mich gerade so wohl fühle, weil mein Körper zum See „Mama!“ sagt, da wir aus dem Wasser stammen, und zu 85 Prozent (Säuglinge) bis 70 Prozent (Erwachsene) daraus bestehen, geht der Tag zu Ende – und der Sonnenuntergang zieht sämtliche Farbregister. In einem TED Talk wünschte sich der Meeresbiologe Wallace J. Nichols vor ein paar Jahren, dass sich niederge- schlagene oder ängstliche Menschen in Wassernähe begeben sollten. „Ich möchte, dass allgemein bekannt wird, dass es guttut, ruhig am Wasser zu sitzen. Ich möchte, dass Eltern und Lehrer das auch jungen Menschen vermitteln ... und ihnen sagen, wenn ihr einen schlechten Tag habt, geht ans Wasser, dann geht es euch bald besser.“ Das Clubhaus würde ihm sicher gefallen.
KATHARINA HESEDENZ