KUNST ROYAL
KUNST ROYAL
Suse Kohler porträtierte für ihre neueste Serie „Faces / point of view“ auch einige der britischen Royals: König Charles und Königin Camilla, Prinz William und Herzogin Kate sowie den adeligen Nachwuchs George, Charlotte
und Louis. Der Name „Faces“ ist Programm, denn Gesichter sind das Markenzeichen und Steckenpferd der Künstlerin. So malte sie für ihre Serie „Machtköpfe“ alle Kanzler ab Konrad Adenauer und für „Behind“ starke Malerinnen wie Giorgia O ́Keefe oder Louise Bourgeois und für ihre „Seemänner“ bildete sie Persönlichkeiten wie Franz Josef Strauß, Leo Slezak und Ludwig Thoma ab. Und jetzt also die Royals – in Acryl und in Farbe – und immer mit einem Augenzwinkern versehen, wie sie im Interview erklärt
MOMENTE MAGAZIN:
Seemänner, starke Frauen, Machtköpfe und jetzt die Royals. Wie kamen Sie auf dieses Thema?
SUSE KOHLER:
Ich bin immer auf der Suche nach neuen Gesichtern. Das war schon immer mein Thema und ist es nach wie vor. Die Idee zu diesem Thema ist zufällig und am Fernseher entstanden: Am Tag der Krönung von Charles und Camilla, am 6. Mai. Wir waren mit der Familie bei einer Konfirmation eingeladen, haben immer mal wieder in die Zeremonie reingezappt. Ich würde mich jetzt keineswegs als Royal-Fan bezeichnen, aber man ist dann eben doch neugierig ... Und ich denke, vielen Menschen geht es ähnlich wie mir. Denn da ist zum einen dieser unglaubliche Pomp. Ganz London, Kutschen, Kronen, Uniformknöpfe hochglanzpoliert! Das gesamte Zeremoniell ist wahnsinnig aufwendig, und es scheint ein bisschen absurd und unzeitgemäß. König Charles hat keine politische Macht, seine Aufgaben sind eher zeremonieller Natur und dennoch ist er die mächtigste Institution. Das Königreich ist in England nicht wegzudenken. Im gesamten Commonwealth schon eher. Da werden schwierige Ent- scheidungen auf ihn warten. Zum anderen bewirkt König Charles auch viel Positives bei Themen wie Klimaschutz, Landwirtschaft und vielen sozialen Projekten. Das würde es sonst in der Form vielleicht nicht geben ... Insofern geht es in dieser Monarchie immer weiter vorwärts. Diesen Zwiespalt fand ich sehr spannend. Außerdem ist diese Krönung ein einmaliges Zeitdokument, und wer weiß, ob wir so etwas noch einmal erleben werden.
MOMENTE MAGAZIN:
Wie lange dauert es, einen Royal zu malen?
SUSE KOHLER:
Da die Zeremonie noch nicht allzu lange zurück liegt, war ich die letzten Wochen fast rund um die Uhr in meinem Atelier. Allein für die Regentropfen auf dem Kate-Bild habe ich zwei Tage gebraucht. Ein Regentropfen stellt übrigens ein Tränchen von Prinzessin Diana dar. Entstanden sind insgesamt fünf Werke, die nun in der Rotunde des Hotels gezeigt werden. Alle im Großformat bis zu zwei Meter. Wie auch bei meinen früheren Serien liegt der Fokus klar auf den Augen. Denn die Augen sind der Spiegel der Seele, und die Royals haben sehr ausdrucksstarke Augen, die bei meinen großformatigen Werken, wie ich finde, besonders gut zur Geltung kommen. Vor allem Herzogin Kate. Ich habe sie bei der Krönung in der Kutsche sitzen sehen und dachte mir: „Was für eine schöne Frau“.
MOMENTE MAGAZIN:
Was strahlen die Augen von König Charles aus? Macht?
SUSE KOHLER:
Macht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Ich persönlich habe eher das Gefühl, dass er sehr ruhig und besonnen ist – wie es die Queen auch war. Und genau das strahlen seine Augen aus. Auf dem Werk mit Camilla sind die beiden mit ihren Kronen zu sehen. Ein herrliches Motiv! Dies zu malen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es wäre ein Leichtes gewesen, dies etwas überzogen abzubilden, und ich musste mich wirklich zusammenreißen. Aber ich karikiere grundsätzlich nicht. Sehr bewegend hingegen war für mich das Motiv mit Charles und seinem Sohn William: Charles lehnt an der Schulter seines Sohnes und dieser hält ihn im Arm. Ich fand diese persönliche Geste so schön und liebevoll, und sie hat großen symbolischen Wert. Er ist der nächste Thronfolger und wichtige Stütze für seinen Vater. Ein weiteres Bild zeigt die Kinder von William und Kate: Ihre Gesichter lösen sich etwas auf mit der Frage im Hinterkopf, wie lange sich die Monarchie noch halten kann. Und erst einmal kommt ja William an die Reihe, und die Royals werden ja in der Regel sehr alt ...
MOMENTE MAGAZIN:
Wie lautet die Message der Bilder?
SUSE KOHLER:
Alles in allem muss man alle Werke mit einem Augenzwinkern sehen. Ich wollte dieses Mal unbedingt Fröhlichkeit darstellen, dies war meine Prämisse in dieser doch eher tristen Zeit. Die Reihe „Faces / point of view“ beinhaltet aber auch andere Werke, wie zum Beispiel die Serie „INS WEITE / Krieg in der Ukraine“ ... Wir hatten zu Kriegsbeginn in Wildbad Kreuth Flüchtlinge aufgenommen, was für mich eine sehr bewegende Zeit war. Und es ist auch ein „Corona-Bild“ zu sehen: Junge Frauen im Wohnzimmer auf dem Sofa, die warten und warten, aber nichts passiert, und ihre schicken Abendschuhe stehen daneben und sind ebenfalls in Warteposition. Zu diesem Werk hat mich meine Tochter inspiriert. Zudem präsentiere ich noch einige Bilder aus meiner Serie „FACES & Stripes“ und einige Porträts – alle Werke sind 2022/2023 entstanden.
MOMENTE MAGAZIN:
Welche Technik haben Sie bei den Royals angewendet?
SUSE KOHLER:
Die Arbeiten sind Acryl auf Leinwand, Porträts, aber auch figurativ. Es sind sehr leuchtende und aussagekräftige Farben, die gute Laune machen.
MOMENTE MAGAZIN:
Wann sind Sie am kreativsten?
SUSE KOHLER:
Früher war ich mehr Nachtarbeiterin, heute male ich meist tagsüber. Für die Serie „Faces / point of view“ ging es aber wie gesagt auch oft in die Nacht hinein. In der Regel male ich so lange, bis das jeweilige Bild fertig ist. Ich muss es fertigstellen, weil ich mich so in diese Gesichter hineindenke und versuche, die Persönlichkeit herauszuarbeiten. Ich schlafe, esse schnell etwas und male dann wieder weiter. Wenn ich male, dann bin ich ganz in meiner eigenen Welt. Und diese Welt verlasse ich erst wieder, wenn das Bild fertig ist. Es ist etwas ganz Eigenes.
MOMENTE MAGAZIN:
Schauen Sie Menschen auch zuerst in die Augen?
SUSE KOHLER:
Ja, aber es kommt neben den Augen noch etwas anderes dazu. Auch Gestik und Stimme finde ich sehr wichtig.
MOMENTE MAGAZIN:
Werden Sie manchmal selbst zur Prinzessin und wenn ja, in welchen Momenten?
SUSE KOHLER:
(lacht) Ich glaube zur Prinzessin werde ich nie, und ich möchte auch keine Prinzessin sein! Ich bin lieber hinter den Kulissen. Ich war noch nicht einmal früher im Fasching Prinzessin. Ich liebe die Action. Ich möchte den Royals allerdings nicht unterstellen, dass ihr Leben nicht ereignisreich wäre. Ich glaube sogar, dass sie enorme Aufgaben zu bewältigen haben: Der Gesellschaft immer zu geben, das ist durchaus eine Bürde. Immer repräsentieren. Das wäre nichts für mich.
MOMENTE MAGAZIN:
Kommen als Nächstes vielleicht noch andere Monarchien bzw. Adelige an die Reihe?
SUSE KOHLER:
Charlotte Casiraghi, die Tochter von Caroline von Hannover, finde ich zwar faszinierend – sie ist wahnsinnig schön und hat auch tolle Augen. Aber jetzt reicht es glaube ich erst einmal mit diesem Thema. Ich werde jetzt wieder auf Reisen gehen, denn das ist den letzten Jahren zu kurz gekommen, und werde diese wieder als Inspirations- quelle nutzen. Aber den Gesichtern werde ich auf jeden Fall treu bleiben.