Prof. Dr. theol. Georg Essen
„Ein Haus voll Glorie schauet …“. Katholische Selbstbilder im Spiegel moderner Institutionentheorien
Vortrag am 16. Oktober 2026
Das katholische Kirchenlied, dem der Obertitel entnommen ist, birgt einen historisch reichen Schatz an Bildern, die im 19. und 20. Jahrhundert herangezogen wurden, um die Kirche in der Moderne zu verorten. Zwischen dem Bild der Kirche als „Haus voll Glorie“ – als heilige, überzeitliche Gemeinschaft göttlichen Ursprungs – und der nüchternen Beobachtung, dass auch die katholische Kirche verwaltet und organisiert werden muss, tut sich eine Spannung auf, die bis heute prägt, wie die Kirche über sich selbst spricht. Außerdem leben Katholikinnen und Katholiken hierzulande in einem demokratischen Rechtsstaat, der als Freiheitsordnung ganz und gar anders organisiert ist als die Kirche, die eine Wahrheitsordnung ist. Wie aber umgehen mit Kontrasterfahrungen, in denen ein demokratisches Freiheitsbewusstsein mit dem katholischen Wahrheitsbewusstsein kollidiert – und umgekehrt?
Der Vortrag geht dieser Spannung nach. Er fragt, welche traditionellen Selbstbilder – Kirche als „heilige Stadt“, „aus ew'gem Stein erbauet“; „Gottes Zelt auf Erden“; „wanderndes Gottesvolk“ – die katholische Selbstverständigung bislang geprägt haben, und konfrontiert sie mit modernen Theorien, die Institutionen als soziale Gebilde mit eigenen Regeln, Verfahren und Rechtfertigungspflichten beschreiben. These ist: Die Kirche kann sich diesem nüchternen Blick nicht entziehen, geht in ihm aber auch nicht auf. Ihr religiöses Selbstverständnis markiert einen Überschuss, den moderne Institutionentheorien nicht vollständig einholen – ersetzt aber nicht die Frage nach ihrer realen Verfasstheit, ihren Ämtern und Entscheidungswegen. Der Vortrag plädiert für eine Lektüre, die beide Blickweisen ernst nimmt, und zeigt abschließend, was daraus für aktuelle Debatten wie den Synodalen Weg folgt.
Prof. Dr. theol. Georg Essen
Prof. Dr. theol. Georg Essen (geb. 1961), Studium der katholischen Theologie und Geschichte an den Universitäten Münster und Freiburg. Nach Professuren für Dogmatische Theologie und Kultur- und Religionstheorie an der Universität Nijmegen in den Niederlanden und für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Bochum ist er seit 2020 Professor für Systematische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort hat er eine Zweitmitgliedschaft in der Juristischen Fakultät inne. 2017/18 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Zuletzt erschienen sind „Fragile Souveränität. Eine Politische Theologie der Freiheit, 2024“ sowie, zusammen mit Magnus Striet, „Was vom Westen bleibt. Theologische Argumente im Streit um Religion in säkularer Gesellschaft, 2026“.
Ablauf
Ab 17.30 Uhr | Einlass und Get-together
18.30–18.40 Uhr | Begrüßung durch Korbinian Kohler
18.40–19.00 Uhr | Einführung durch Prof. Dr. Karsten Fischer
19.00 – 19.45 Uhr | Impulsvortrag Gastredner
19.45–20.15 Uhr | Diskussion
20.30 – 24.00 Uhr | Exklusives Galadinner
Bis 20.15 Uhr können Hotelgäste und externe Gäste kostenlos an dem Vortrag teilnehmen, bei Anmeldung 24h vorab auf Anfrage und nach Verfügbarkeit.
Dresscode: smart casual
Location: Spa & Resort Bachmair Weissach
Wiesseer Straße 1 83700 Rottach-Egern
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