Dr. Annette Doms
Metamorphosen
Vortrag am 20. März 2026
„Jede große Technologie ist eine Prüfung des menschlichen Charakters. KI wird die größte Prüfung unserer Zeit.“ - Dr. Annette Doms
In ihrem Gastvortrag beleuchtet die Kunsthistorikerin Dr. Annette Doms die Genese der Künstlichen Intelligenz im künstlerischen Kontext und stellt die Frage nach der Essenz des Schöpferischen in einer technisierten Welt. Dabei schlägt sie die Brücke von Walter Benjamins wegweisenden Überlegungen zum „Aura-Verlust“ in der Moderne bis hin zur aktuellen Debatte um den Kunstcharakter generativer Systeme. Während Benjamin die Reproduzierbarkeit des Immergleichen untersuchte, konfrontiert uns die KI heute mit der paradoxen Produktion des „algorithmischen Unikats“.
Im Zentrum ihrer Analyse steht das spannungsgeladene Verhältnis zwischen menschlicher Intuition und maschineller Autorschaft: Wie transformiert sich die Rolle des Künstlers, wenn der kreative Prozess von der Poiesis (dem Machen) zur Noesis (dem kuratorischen Denken) übergeht? Doms reflektiert über die Verschiebung von Agency und Verantwortung und skizziert in einem abschließenden Ausblick die zukünftige Symbiose von Mensch und Maschine als eine neue Ära der Ko-Kreativität.
Dr. Annette Doms
Dr. Annette Doms ist eine international gefragte Vordenkerin und Brückenbauerin, die wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Praxis verbindet. Als Kunsthistorikerin fand sie bereits früh über die digitale Kunst ihren Zugang zu technologischer Innovation; 2014 realisierte sie mit der UNPAINTED die erste deutsche Messe für digitale Kunst. Als Vice President im Bundesverband für KI-Transformation e.V. (VENTURE AI) gestaltet sie den Diskurs rund um verantwortungsvolle KI aktiv mit und zeigt, wie Unternehmen technologische Disruption in nachhaltigen Wettbewerbsvorteil verwandeln können
Sie lehrte die Geschichte der Digitalen Kunst an der LMU München und ist Board Member zahlreicher Technologieinstitutionen. In ihren Publikationen, wie dem Werk „Von Gutenberg zu ChatGPT“, analysiert sie das Zusammenspiel von Technologie, Kultur und Gesellschaft. Das Londoner Institut citiesabc nominierte sie Anfang März 2026 als eine der „Top 50 Most Influential Women in AI“.
Aufzeichnung vom Vortrag am 20. März 2026
Rückblick auf den Vortragsabend mit Dr. Annette Doms
Der Vortrag „Metamorphosen“ von Dr. Annette Doms beleuchtet die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz im künstlerischen Kontext und stellt zentrale Fragen nach dem Wesen von Kreativität in einer zunehmend technisierten Welt. Ausgehend von Walter Benjamins Theorie des „Aura-Verlusts“ spannt sie den Bogen zur heutigen Debatte um generative KI und deren Rolle als möglicher „Künstler“. Dabei wird deutlich, dass KI nicht nur reproduziert, sondern mit dem Konzept des „algorithmischen Unikats“ neue Formen von Originalität hervorbringt.
Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen menschlicher Intuition und maschineller Autorschaft. Doms zeigt auf, wie sich die Rolle des Künstlers wandelt – weg vom klassischen Schaffen hin zu einem kuratorischen, reflektierenden Prozess. Sie thematisiert die Verschiebung von Verantwortung und kreativer Kontrolle und entwirft eine Zukunft, in der Mensch und Maschine nicht im Wettbewerb stehen, sondern in einer neuen Form der Ko-Kreativität zusammenwirken.